BioOss, wozu mischen?

0

Man hört immer wieder, dass man alloplastisches Knochenersatzmaterial, wie z.B. BioOss, mit autologen Knochenspänen, peripherem Venenblut oder gar mit Blut aus dem Wundbereich mischen soll. Wieso eigentlich? Selbst die Evidenz vermag hier keine klare Aussage zu machen. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen sogar teilweise widersprüchliche Ergebnisse.

Dabei liegen die Argumente Knochenersatzmaterialien pur, mit NaCL oder etwas PRP in den Sinuslift zu augmentieren auf der Hand. Wir alle wissen, dass die natürliche Diffusion von Sauerstoff im Gewebe nur wenige Millimeter beträgt. Das Volumen eines Sinuslift´s kann hingegen mehrere Kubikzentimeter betragen. Eine Revaskularisierung des Augmentats setzte frühestens nach 4-5 Tagen ein. Das legt die logische Schlussfolgerung nahe, dass lebende Zellen im Augmentat nach wenigen Stunden sterben. Mit anderen Worten das Augmentat nekrotisiert. Dabei wird z.B. Kalium freigesetzt, was wiederum zu einer Azidose und einer Übersäuerung des Augmentats und zu einer Anreicherung von Gewebsflüssigkeit führt. Spätestens jetzt bekommt der Patient eine Schwellung und Schmerzen. Da ist es schon ein Wunder, dass der Sinuslift trotz der Umstände eine sehr sichere und vorhersagbare Augmentationstechnik ist. Natürlich ist der Ablauf deutlich komplexer als hier dargestellt, aber gerade weil sich die fachliche Diskussion auf einem so hohen Niveau bewegt, scheint es, als ob wir den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehen. Ich möchte mich daher dieser Stelle bewusst, nicht in wissenschaftlichen Kontroversen verzetteln, sondern einfach den Erfahrungen aus der Praxis eine Chance geben.

Der Begriff Knochenersatz an sich ist schon falsch. Denn nüchtern betrachtet ist das Material schlicht ein Platzhalter. Es ermöglicht Räume, in die der körpereigene Knochen hineinwachsen kann, mehr nicht. Und genau hier liegt schon des Rätsels Lösung! Je größer der Acker, desto größer die Ernte. Nicht das Knochenersatzmaterial und sein Mixtur entscheiden über den Erfolg der Augmentation, sondern das knöcherne Lager von dem schließlich die Heilung ausgeht. Daraus folgt, dass der knöcherne Zugang möglichst klein und die Elevation der Schneiderschen Membran möglichst groß sein sollte. Nicht in der Vertikalen, sondern z.B. bis nach palatinal und auch nach kranial an der lateralen Nasenwand entlang. Je mehr knöcherne Wände ich habe, desto schneller und besser ist die Osseointegration des Augmentats.

Der wichtigste Grund für mich das Knochenersatzmaterial nicht mit Blut, sondern nur mit etwas NaCL zu vermischen, erscheint banal, hat aber praktisch eine große Bedeutung. Man sieht einfach besser was man tut. Denn schließlich sollte man das Augmentat auch gezielt hinter das Implantat, nach palatinal und mesial einbringen. Am Ende der Augmentation hat sich das Knochenersatzmaterial in der Regel spontan mit Blut durchtränkt. Entscheidend dabei ist, dass das Blut dabei aus dem Knochenlager stammt.

Dieser Artikel hat nicht den Anspruch das Thema Sinulift wissenschaftlich zu diskutieren. Er soll dazu anregen über unser häufig sehr dogmatisches Denken und Handeln nachzudenken. Alloplastische Knochenersatzmaterialien mit irgendwas „lebendigem“ zu vermischen, halte ich für eine reine Beruhigung des Gewissens.

Oliver Zernial – myimplant.de – Kiel

Ps: Ich stelle mich gerne der offenen Diskussion. Nutzt bitte die Möglichkeit diesem Artikel kommentieren zu können.

 

Share.

About Author

Dr. med. Oliver Zernial // Facharzt für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie // zertifizierter Implantologe // Praxis für Implantologie, Kiefer- und ästhetische Gesichtschirurgie // Willy-Brandt-Ufer 10 24143 Kiel // http://www.myimplant.de

Leave A Reply