Minimalinvasive Knochen- und Weichgeweberegeneration in 3 Stufen – Teil I

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Ein für implantatgetragene Restaurationen ungenügendes vertikales Knochenangebot erfordert im Vorfeld einer Implantation üblicherweise umfangreiche augmentative Maßnahmen zur Korrektur von hart- und weichgewebigen Strukturen. Zum Aufbau von vertikal atrophierten Strukturen können verschiedene Techniken herangezogen werden, wie zum Beispiel die Blockaugmentation unter Verwendung von intraoralen oder extraoralen Transplantaten (Onlay-Technik, Sandwich-Technik), die gesteuerte Knochenregeneration (GBR) unter Verwendung von Knochenersatz und Membranen, die Distraktionsosteogenese oder Kombinationen verschiedener Techniken.

Die Osteodistraktion kann gut vertikalen Gewinn schaffen, zeigt aber eine hohe Komplikationsrate. Voraussetzung für eine Osteodistraktion zur vertikalen Augmentation ist eine ausreichende Restknochenhöhe und ein zahnloser Bereich von drei oder mehr fehlenden Zähnen. Bei der Onlay-Technik ist vor allem die hohe Resorptionsrate zu beachten, die zum Teil durch die Anlagerung von langsam resorbierbaren Knochenersatz gemindert werden kann. Der mit GBR regenerierte Knochen verhält sich bei Implantation prinzipiell wie nativer Knochen. Die GBR ist kostengünstig, aber zum Teil techniksensitiv. Unabhängig von der Technik sind zwei Voraussetzungen für eine langfristig erfolgreiche vertikale Kammaugmentation ein stabiler Volumenerhalt des augmentierten Bereiches und eine möglichst komplikationslose Heilung des Weichgewebes.

Ist der vertikal defizitäre Kieferbereich noch bezahnt, bietet sich in einigen Fällen auch eine kieferorthopädische Lösung zur vertikalen Augmentation an. Diese hat den Vorteil, dass der Aufbau von hart- als auch weichgewebigen Strukturen zum Teil ohne chirurgischen Eingriff stattfinden kann. Dadurch können Voraussetzungen für vorhersagbare ästhetische implantatgetragene Rekonstruktionen geschaffen und gleichzeitig typische Komplikationsrisiken der vertikalen Augmentation umgangen werden.

Im vorliegenden Fall stellte sich die Patientin mit dem Wunsch vor, das Diastema zwischen 11 und 21 zu schließen. Bei der Evaluation der kieferorthopädischen Möglichkeiten stellte sich jedoch heraus, dass beide Zähne einen Lockerungsgrad II (Periotest-Wert 25) aufzeigten, weshalb eine Kieferorthopädie ausgeschlossen wurde. Genauso schied eine Sofortimplantation wegen des vertikal mangelnden Knochen- und Weichgewebeangebots aus, da dies zu einem ästhetisch inakzeptablen Ergebnis geführt hätte. Maßnahmen zur präimplantologischen vertikalen Augmentation nach Extraktion wären invasiv und zeitaufwendig gewesen. Um den Voraussetzungen und Wünschen der Patientin unter Vermeidung der hohen Belastung gerecht werden zu können, wurde daher ein dreistufiges Verfahren unter Ausnutzung des noch vorhandenen Parodonts geplant. Im ersten Schritt wurden die Kronen der beiden Zähne 11 und 21 entfernt, eine Wurzelbehandlung durchgeführt und durch mehrstufige Extrusion der Wurzeln das Knochenangebot nach koronal erhöht. Im zweiten Schritt wurden zur Schaffung eines volumenstabilen Implantatlagers die Wurzeln extrahiert und die Alveolen mit Ridge Preservation Technik behandelt. Zusätzlich sollte hier im Splitmouth-Design beobachtet werden, ob der Verschluss einer der beiden Alveolen durch eine Weichgewebematrix im Sinne der Socket Seal Technik einen weiteren Vorteil bieten könnte. Nach knöcherner Abheilung konnte im dritten Schritt eine Implantation mit Sofortversorgung stattfinden.

Falldarstellung – Teil I: Optimierung des vertikalen Knochenniveaus ohne Chirurgie

Die Fortsetzung der Falldarstellung folgt nächste Woche im 2. Teil.

 

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