Minimalinvasive Weichgewebschirurgie durch Radiofrequenz

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Chirurgische Interventionen an der Gingiva sind in der Regel beim Behandler beliebter als beim Patienten. Wer viel implantiert weiß, dass ein abschließender Eingriff an der Gingiva unsere Patienten alles andere als begeistert. Während eine Implantation in den meisten Fällen überraschend wenig Beschwerden bereitet, ist z.B. die Transplantation von befestigter Gingiva vom Gaumen meiner Erfahrung nach deutlich schmerzhafter und beeinträchtigt die Lebensqualität der Patienten für Tage manchmal auch Wochen. Selbstverständlich sind stabile periimplantäre Weichgewebsverhältnisse für die langfristige Prognose des Implantats wichtig. Aber mich wundert immer wieder, wie viel über die Notwendigkeit einer Korrektur des Weichgewebes und wie wenig über die Prävention von athrophen Weich und Hartgeweben diskutiert wird. Sind Implantate geplant, dann erachte ich die Extraktion von Zähnen ohne weich und hartgewebserhaltendende Maßnahmen für obsolet. Denn eine Atrophie des Alveolarknochens hat auch einen Verlust der befestigten Gingiva zur Folge.

Auch wenn die Weichgewebschirurgie zumindest in unserer Praxis durch präventive Maßnahmen im Sinne einer Ridge Preservation deutlich an Stellenwert verloren hat, so kann sie insbesondere nach umfangreichen Augmentationen oder nach chirurgischen Maßnahmen alio loco nicht immer vermieden werden. Das klassische Schneiden mit dem Skalpell von Gingiva und subepithialem Gewebe hat neben den postoperativen Schmerzen einen wenig beachteten Nachteil. Es blutet. Kein gute Voraussetzung für präzises Arbeiten im Millimeterbereich. Gingiva, Bindegewebe und Muskel gilt es zu unterscheiden. Im Unterkiefer verläuft der N. mentalis, ein beliebtes Opfer einer blinden Klinge. Unbeabsichtigtes Verletzen des Periosts verursacht freiliegenden Knochen und vereitelt das Anwachsen von freien Transplantaten.

Die Radiofrequenzchirurgie ist für den Einsatz in der Weichgewebschirurgie meiner Meinung nach ideal. Unverstädlicherweise findet sie in unserem Fach kaum Beachtung. Denn in anderen chirurgischen Disziplinen, wie z.B. bei den Kollegen der HNO, wird sie schon lange standardtisiert eingesetzt. Auch wir arbeiten schon seit Jahren mit einem CURIS® von der Frima Sutter und sind immer wieder von den chirurgischen Möglichkeiten nicht nur an der Gingiva begeistert.

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Die Radiofrequenz basiert auf einer gewebeschonenden 4 MHz Technologie, die es ermöglicht effektiv und schonend zu koagulieren, Läsionen zu erzeugen oder zu schneiden und damit die Patientenbelastung auf ein Minimum zu reduzieren. Mit steigender Frequenz bietet biologisches Gewebe elektromagnetischen Feldern immer geringeren Widerstand, bis hin zu dem Punkt, an dem die Zellmembranen kapazitiv überbrückt werden, wie bei der vom CURIS® erzeugten 4 MHz-Frequenz (monopolar wie auch bipolar). Damit wirken die elektromagnetischen Felder in – und nicht wie bei herkömmlichen Hochfrequenzgeräten lediglich zwischen – den Zellen. Das Ergebnis ist ein optimaler, schonender Eintrag der Energie und eine hochfokussierte Wirkung. Auch die laterale Hitzeausdehnung, z. B. beim Schnitt, wird potenziell geringer. Weil das Gewebe in den kurzen Pausen zwischen den Paketen immer wieder Zeit hat sich zu erholen, wird es insgesamt weniger traumatisiert. Ohne dass die Leistung erhöht werden muss, sorgt die gepulste Leistungsabgabe für eine hochfokussierte, schonende Koagulation mit minimaler lateraler thermischer Schädigung. Beim Durchtrennen verschiedener Gewebearten in einer Schnittbewegung (z. B. Haut, Fett, Muskel) verarbeitet das Gerät die Daten der AutoRF™-Überwachung blitzschnell und reagiert so auf mögliche Veränderung der Arbeitsbedingungen (Quelle SutterMed.de).

Die Radiofrequenzchirurgie ist ein sehr professionelles Werkzeug und mittlerweile ein fester Bestandteil unseres Behandlungskonzeptes. Sie ist minimlainvasiv, erlaubt extrem präzises Arbeiten, bereitet dem Patienten hinterher deutlich weniger Beschwerden und überzeugt immer wieder mit überdurchschnittlichen guten Ergebnissen.

Dr. med. Oliver Zernial // myimplant.de // Kiel

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Dr. med. Oliver Zernial // Facharzt für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie // zertifizierter Implantologe // Praxis für Implantologie, Kiefer- und ästhetische Gesichtschirurgie // Willy-Brandt-Ufer 10 24143 Kiel // http://www.myimplant.de

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