Sorry its bone II

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Im ersten Teil „Sorry its bone I“ habe ich es ja bereits angedeutet. In unserer Praxis löst die „geführte Knochenregeneration“ (auch GBR Guided Bone Regeneration genannt) zunehmend die Blocktransplantation ab, also die Hebung und Osteosynthese eines Linea obliqua Spans vom Kieferwinkel. Selbstverständlich ist die laterale Anlerungsplastik durch ein Blocktransplantat ein etabliertes und bewährtes Augmentations-Verfahren. Auch ich habe in der Vergangenheit hunderte von Implantaten in gut verheilte Blocktransplantate inseriert, die selbst nach Jahren keine Probleme aufzeigten. Bei großen volumenkritischen Augmentationen ist das Blocktransplantat unvermeidbar und auch für mich nach wie vor das Mittel der Wahl.

Wie beim Sinuslift trumpft der Knochenaufbau durch GBR jedoch mit einem schlagenden Argument. Er ist für den Patienten deutlich minimalinvasiver. Aber auch wissenschaftlich überzeugt die Augmentation durch das GBR-Verfahren. Unzählige Studien haben gezeigt, dass das knöchern regeneriert Implantatlager vital und langfristig stabil ist.

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Wie beim Sinuslift assozierte der Einsatz von Knochenersatzmaterial auch bei der GBR ein einfaches Handling. Auch wenn es gute Literatur über das Thema gibt (u.a. Daniel Buser) und ich einen intensiven Einblick in das Thema während meiner Facharztausbildung als Assistent unter Prof. Dr. Dr. Hendrik Terheyden und Prof. Dr. Dr. Jörg Wildfang erlangen konnte (ein herzliches Dankeschön an dieser Stelle für die profunde und sehr gute Ausbildung), habe ich  weitere Jahre in der Praxis gebraucht um meine eigene Technik zu finden. So habe ich anfangs häufig mit Knochenersatzmaterial und Membranen ausschließlich augmentiert (u.a. BioOss, Biogide), was jedoch eine sehr lange Ein und Abheilungszeit voraussetzt. Da Zeit jedoch aus Sicht des Patienten ein Problem darstellt, verwende ich mittlerweile wieder häufig partikuläres autologes Material gewonnen über einen kleinen zweiten Zugang von der Linda obliqua. Dieses schichte ich auf das Knochenersatzmaterial bevor ich die Membran darüber lege. Das Volumen, was ich durch GBR aufbaue, ist dabei stetig größer geworden. Ab einer gewissen Distanz zum ortständigen Knochen braucht man jedoch irgendwann Strukturen, die das Volumen stabil halten. PTFE Gore-Tex Membranen haben mir persönlich eine zu hohe Komplikationsrate, auch wenn sie klinisch die besten Ergebnisse zeigen. Doch bei 3mm und mehr braucht man unbedingt Ruhe im Augmentat, damit ein knöchernes Remodelling induziert werden kann. Osteosynthesematerial als Tenting-Screw neigt häufig zu Infekten, was für den Patienten und die Anwendung in der Praxis nicht akzeptabel ist. Aus diesem Grund „verpacke“ das Augmentat mit einem Mukoperiostlappen, der über einen Splitflap mobilisiert wird. Entgegen der gängigen Lehrmeinung nähe ich die Augmentation stramm zu und sorge somit für die nötige Stabilität. Das ganze ähnelt dann italienischer Pasta, so dass wir dieses Verfahren bei uns in der Praxis „Tortellini Technik“ nennen.

Der folgende Fall zeigt ein typisches Ergebnis nach 4 Monaten mit einer Augmentation durch GBR nach oben genannten Procedere. Dabei beeindruckt mich nach wie das radiologische und auch klinische Bild. Hier konnte ich durch die laterale Anlagerungsplastik ca. 5mm Knochen „züchten“. Das Implantatbett ist dabei deutlich vital und bietet eine hohe Primärstabilität. Auch wenn hier ein zweizeitiges Vorgehen notwendig war, so wurde dieser Fall meinem Anspruch gerecht; „So viel wie nötig so wenig wie möglich“.

Dr. med. Oliver Zernial // myimplant.de // Kiel

 

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About Author

Dr. med. Oliver Zernial // Facharzt für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie // zertifizierter Implantologe // Praxis für Implantologie, Kiefer- und ästhetische Gesichtschirurgie // Willy-Brandt-Ufer 10 24143 Kiel // http://www.myimplant.de

1 Kommentar

  1. Dr. Koswig, A. on

    Ein sehr interessanter Artikel, vielen Dank!
    Jedoch verstehe ich am Ende nicht ganz Ihre „Verschlusstechnik“: Sie schreiben von „Mukoperiostlappen über eine Split-Flap“. Eigentlich ja ein Widerspruch in sich 🙂 Könnten Sie das kurz noch einmal genauer beschreiben, Ihre Tortellini-Technik. Grazie!!

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