Weichgewebsaugmentation mit Hyaluronsäure?

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Pink Ästhetik“ ist in der Implantologie mehr als nur ein trendiger Begriff. Denn letztendlich entscheidet der Übergang von rot nach weiß in der ästhetischen Zone über Erfolg oder Misserfolg einer Implantation. Eine Entfernung des Zahns in der Oberkieferfront führt nicht selten zu einer Resorption des dünnen vestibulären Bündelknochens. Bereits nach kurzer Zeit kann man häufig die ersten Weichteildefizite, wie den Verlust der Papillen, beobachten.

Aus diesem Grund favorisieren wir die Sofortimplantation, insbesondere in der Oberkieferfront. Doch häufig fehlt der Zahn bereits schon über einen längeren Zeitraum oder der Bündelknochen ist durch ein chronische Entzündung oder eine unsanfte Extraktion verloren gegangen. Hier ist ein zweizeitiges Vorgehen mit Augmentation unumgänglich. Eine Rekonstruktion der Weichteile ist dabei häufig anspruchsvoller, als die knöcherne Augmentation und Implantation an sich. Dabei gilt der Grundsatz, dass mit zunehmender Traumatisierung der Weichgewebe die Vorhersagbarkeit in Bezug auf ein erfolgreiches ästhetisches Ergebnis sinkt. Während für die knöcherne Rekonstruktion etablierte Knochenersatzmaterialen zur Verfügung stehen, gibt bis dato in der Weichgewebschirurgie nur wenige Materialien, die eine Vermehrung des Gewebes ermöglichen.

Die Injektion von Hyaluronsäure in und unter die Haut ist in der plastischen Dermatochirurgie ein etabliertes und sicheres Verfahren. Dabei beschränkt sich die Anwendung nicht nur auf das reine Unterspritzen von Falten. Durch die Applikation in tiefere Schichten lassen sich auch größere Volumendefekte vorhersagbar aufbauen. Hyaluronsäure verteilt sich im Gewebe und gewinnt durch die Speicherung von Wasser zusätzlich an Volumen. Moderne Präparate erreichen dabei eine beachtliche Wirkdauer. Durch die einfache und sichere Handhabung kann die Injektion mehrfach wiederholt und ein langfristiges Ergebnis erzielt werden.

Es ist also naheliegend, dass sich Hyaluronsäure auch für die Behandlung von Volumendefiziten der Gingiva eignet. Insbesondere nach umfangreicher knöcherner Augmentation und Implantation ist die Bereitschaft des Patienten zu weiteren Eingriffen nicht immer gegeben. Zumal viele gängigen Verfahren zur Verbesserung der roten Ästhetik eine geringe Vorhersagbarkeit besitzen und langfristig enttäuschende Ergebnisse zeigen. Eine mehrfache Wiederholung solcher Eingriffe wird von den Patienten in der Regel weder physisch noch finanziell toleriert.

Die Weichgewebs-Augmentation mit Hyaluronsäure stellt somit eine sehr interessante Alternative dar. Es gibt noch wenig praktische Erfahrung, geschweige denn Evidenz für die intraorale Anwendung von Hyaluronsäure. Da wir das Material häufig für ästhetische Korrekturen im Gesicht verwenden und unsere Patienten auch intraoral gut kennen, hatten wir bereits die Möglichkeit kleinere Indikationen mit Hyaluronsäure zu behandeln. Dabei ist die intraoral Handhabung deutlich schwieriger. Wegen der befestigten Gingiva läßt sich nur wenig Volumen injizieren. Eine Anästhesie ist zwingend notwendig, weil die Hyaluronsäure mit hohem Druck eingebracht werden muss. Der folgende Fall mit zwei Astra Implantaten zeigt, dass man trotz der Umstände ein sichtbare Volumenzunahme nach Injektion von Teosyal Hyaluronsäure (Global Action 0,15ml) beobachten kann. Wir sehen in der intraoralen Injektion von Hyaluronsäure durchaus Potential, sind gespannt auf die Langzeitergebnisse und werden dann entsprechend berichten.

Dr. med. Oliver Zernial – myimplant – Kiel

Augmentation mit Hyaluron

Bilder der Situation nach 1 Woche bitte hier klicken.

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About Author

Dr. med. Oliver Zernial // Facharzt für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie // zertifizierter Implantologe // Praxis für Implantologie, Kiefer- und ästhetische Gesichtschirurgie // Willy-Brandt-Ufer 10 24143 Kiel // http://www.myimplant.de

3 Kommentare

  1. Pingback: Ist Hyaluronsäure die Lösung für ein sicheres, effizientes und einfaches Weichgewebsmanagement? | I love dental implants

  2. Lohmann, Jürgen on

    Sehr geehrter Herr Dr. Oliver Zernial,

    ich wohne in Münster/Westfalen und suche in meiner Gegend einen Zahnarzt, der Ihre Methoden mittels Spritzen von Hyaluronsäure auch für die Behandlung von Volumendefiziten der Gingiva einsetzt. Vielleicht können Sie mir einen Ihrer Kollegen empfehlen. vielen Dank!

    MfG
    Jürgen Lohmann

    • Nein, leider ist mir kein Kollege bekannt. Die Therapie mit Hyaluronsäure steckt auch noch in den Kinderschuhen. Es kommen aber in Kürze Produkte auf den Markt, die gezielt für die intraorale Anwendung entwickelt wurden. Diese werden u.a. von uns derzeit auf praxisreife untersucht.

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